Historische Formel Vau und Formel Super Vau

Historische Formel Vau Europa e.V.

Die größte Nachwuchsrennserie aller Zeiten war die Folge des zufälligen Zusammentreffens des deutschen Josef Hoppen und des Amerikaners Hubert L. Brundage 1957 in Florida. Das führte 1959 zum ersten Formel Junior mit VW-Technik. Daraus entstand das bestechend einfache Formel Vau-Konzept: Serienteile vom VW-Käfer, Vorderachse, Lenkung, der Motor und das umgedrehten Getriebe nebst Differenzial werden in einen schlichten Gitterrohrrahmen gepackt. Dann bekommt das Ganze eine Kunststoffkarosse und fertig ist der „Volksrennwagen“, der rennfertig 375 Kg wiegt. Trotz bescheidener Motorleistung reicht das mit Rennreifen für erstaunliche Kurventempi und jede Menge Fahrspaß.

Zeitgenössische Formel Vau Fahrleistungen
Niki Lauda bewegte bei einem Vergleichstest mit einem VW-Käfer 1969 einen Kaimann in 1:20,6 um den kleinen Kurs in Hockenheim, der Käfer brauchte dafür knapp eine halbe Minute länger. Gerne zitiert wird auch der vom Österreicher Günter Huber 1966 gefahrene Nordschleifen-Schnitt von 120,2 km/h im Formel Vau. Jack Brabham siegte im gleichen Jahr im Formel 1 mit einem Schnitt von 139,6 km/h auf der legendären Eifel-Piste. 400-Formel 1-PS gegen 50 Formel Vau-PS sprachen für das Potenzial der kleinen Flitzer. Dem Finnen Keke Rosberg gelang es 1973 auf der Nürburgring Nordschleife erstmals unter 9 Minuten zu bleiben: 8:56,2 Minuten und ein Schnitt von 153,3 km/h standen zu Buche! Im Formel Vau!

Die erste Präsentation dieser „Volksrennwagen“ in Deutschland fand im Rahmen des Eberbach-Bergrennens im Mai 1965 statt. Zunächst spotteten viele über die seltsam anmutenden Krabbeltiere, doch auch die Rufe der Zuschauer „Sollen wir schieben helfen?“ konnten den Siegeszug der Formel Vau-Monoposti nicht aufhalten. Schnell entstanden auch im deutschsprachigen Raum neue Konstruktionen. Heinz Fuchs aus Rutesheim bei Stuttgart baute den „Fuchs“, die MAHAG aus München den „Olympic“, Porsche Salzburg den „Austro Vau“, der Wiener Kurt Bergmann konstruierte den „Kaimann“. In Belgien entstanden die „Apal“ und die erfolgreichen amerikanischen „Autodynamics“ in Lizenz – um nur einige zu nennen. Die Formel Vau etablierte sich schnell als eine ernstzunehmende Nachwuchsformel.
Bald war sie auf allen bekannten Rennstrecken Europas zuhause und wurde schnell zum Talentschuppen des großen Motorsports: Fahrer wie Niki Lauda, Dr. Helmut Marko, Dieter Quester, Harald Ertl, Keke Rosberg und viele andere legten hier den Grundstein für ihre Karrieren. Riesige Starterfelde mit bis zu 70 Fahrzeugen stürzten sich in haarsträubende Schlachten – mit den entsprechenden, nicht immer glimpflichen Folgen. „Lebe wild und gefährlich“ – so benennt denn auch der Journalist Rainer Braun, selbst erfolgreicher Formel Vau-Pilot der ersten Stunde den Slogan dieser „wildesten Rennserie aller Zeiten“.
Gipfel der steilen Formel-Vau-Entwicklung war die Formel Super Vau, die ausgerüstet mit dem VW-Typ-4-Motor, wie er unter anderem im VW-Porsche 914 verbaut wurde, in den 70-er Jahren mit ca. 140 PS auf Formel 3-Niveau fuhr.

Die "Historische Formel Vau Europa e.V." kümmert sich heute um die Bewahrung und Fortführung dieser Erfolgsgeschichte. Der gemeinnützige Verein ist die Gemeinschaft der Formel Vau und Super Vau Fahrer in Europa.
Der Verein belebt die „goldenen Zeiten“ der Formel Vau und Super Vau heute neu. Dabei werden diese schönen Rennfahrzeuge möglichst originalgetreu, lediglich versehen mit den Sicherheitseinrichtungen nach dem aktuellen Sportgesetz in Demonstrationsrennen mit Gleichmäßigkeitswertung präsentiert . Rund 100 Mitglieder verfügen aktuell mindestens ebenso viele einsatzbereite Formel Vau und Super Vau-Rennfahrzeuge. Tendenz steigend! Die Starterzahlen auf namhaften europäischen Rennstrecken liegen zwischen 20 und 40 Fahrzeugen. Weitere aktuelle Informationen unter www.formel-Vau.eu

„Persönlichkeiten der Formel Vau“
Unter diesem Motto startet die Historische Formel Vau Europa e.V. in die Saison 2009. Und das gleich beim Saisonstart mit Geburtstagen von zwei erfolgreichen Formel-Vau-Machern. Heinz Fuchs aus Rutesheim, der als Mann der ersten Stunde ab 1965 die sehr erfolgreichen Fuchs-Rennwagen baute, feierte am 09. Januar seinen 75.sten Geburtstag, „Master“ Kurt Bergmann aus Wien, der Konstrukteur der Kaimann-Fahrzeuge wurde am 15. Januar 80! Unzählige Siege und Titel stehen für beide Urgesteine der Szene zu Buche und mancher zukünftige Formel 1 Star verdiente sich die ersten Sporen in Fuchs- und Kaimann-Fahrzeugen: Helmut Marko, Niki Lauda, Helmuth Koinigg, Keke Rosberg und Harald Ertl saßen u.a. in Kaimännern, von denen weltweit etwa 350 Fahrzeuge um Siege fuhren und unter anderem mehrere Europapokaltitel holten. Die Fuchs-Fahrzeuge waren insbesondere in den Anfangsjahren erfolgreich. Die etwa 120 Fuchs Formel Vau und 50 Super Vau-Renner erzielten etwa 100 Siege. Beide Jubilaren werden in Hockenheim mit einem Rahmenprogramm und Sonderläufen geehrt.

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